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Niemand will ein Kreuzberg-Disneyland, 07.05.2015, Berliner Morgenpost

Die Überlegung von Monika Herrmann, das Myfest künftig nicht mehr zu genehmigen, hat wütende Proteste ausgelöst. Jetzt soll es ein neues Konzept geben. So könnte die Festmeile ausgeweitet werden.

Nach lautstarker Kritik an Überlegungen der Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, das inzwischen traditionelle Myfest am 1. Mai wegen Sicherheitsbedenken künftig eventuell nicht mehr zu genehmigen, rudert die Grünen-Politikerin zurück. Ein Gespräch am Donnerstag zwischen Vertretern der Verwaltung und der Anwohnerinitiative, die das Fest organisiert, wurde von Bezirksamtssprecher Sascha Langenbach als erster Schritt eines Verständigungsprozesses gewertet, an dessen Ende die Fortführung der Veranstaltung stehen soll.

"Es gab einen Konsens, dass das Myfest ein Kreuzberger Fest ist und bleibt", sagte Langenbach der Berliner Morgenpost. Veranstaltet werde es von den Anwohnern, nicht vom Bezirksamt. Daran werde sich auch nichts ändern. Herrmann zeigte sich ausdrücklich erfreut darüber, dass "so viele Menschen in Kreuzberg feiern wollen". Das Myfest auf das Tempelhofer Feld zu verlegen, sei keine Lösung. Allerdings müsse das Sicherheitskonzept überdacht werden. Wahrscheinlich Ende Mai sollen auf einer öffentlichen Versammlung alle Beteiligten, Betroffenen und Interessierten mit ihren Vorschlägen zu Wort kommen. Weitere Veranstaltungen sollen folgen, bei denen auch Sicherheits- und Rettungskräfte einbezogen werden könnten.

Kein "Kreuzberg-Disneyland"

"Es gab bei diesem Fest Bereiche, wo alles gut funktioniert hat", sagte Langenbach. So habe es zum Beispiel am Bullenwinkel an der Naunynstraße weder mit ungenehmigten Bühnen oder Verkaufsständen, noch mit der sanitären Versorgung Probleme gegeben. Andernorts sei vor allem das Fehlen von Toiletten beklagt worden. Anwohner beschwerten sich, weil Festbesucher in die Hauseingänge urinierten. Auch das Menschengedränge hat aus Sicht der Verantwortlichen im Bezirksamt ein Ausmaß angenommen, dass Sicherheitsfragen aufwirft.

Das Myfest 2015 hatten innerhalb des offiziellen Bereiches rund um die Oranienstraße in Spitzenzeiten rund 40.000 Menschen besucht. Im Umfeld wurden zusätzlich zwischen 150.000 und 200.000 Feiernde gezählt, so Langenbach. Nun werde überlegt, die Festmeile auszuweiten. "Was aber ganz klar ist: Niemand will ein Kreuzberg-Disneyland, wo nur in umzäuntem Gebiet mit Einlasskontrolle gefeiert wird", so der Sprecher. Die Atmosphäre bei dem Treffen am Donnerstag sei offen und pragmatisch gewesen: "Die Anwohner-Initiative gibt sich viel Mühe, alle Interessen zu berücksichtigen." Die Idee, den Kiez den Krawallmachern zu entreißen, habe funktioniert, hieß es von den Organisatoren.

Herrmanns Infragestellung des Myfestes hatte nicht nur im Bezirk, sondern auch auf Landesebene Verwirrung ausgelöst. Innensenator Frank Henkel (CDU) bezeichnete das Myfest als "Erfolgsgarant" für die Friedlichkeit des 1. Mai.

© Berliner Morgenpost 2015 - Alle Rechte vorbehalten

Quelle: http://www.morgenpost.de/1-mai-berlin/article140639941/Myfest-Niemand-will-ein-Kreuzberg-Disneyland.html

Letzte Änderung amFreitag, 08 Mai 2015 20:39

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Heraus zum 15. MyFest

Das MyFest ist das seit 2003 jährlich am 1. Mai (Tag der Arbeit, Maifeiertag bzw. Kampftag der Arbeiterbewegung) stattfindende Kundgebung in Berlin-Kreuzberg, das sich an alle richtet und ein großes Angebot bietet. Der Name wird wie „Maifest“ ausgesprochen und ist ein Kunstwort aus diesem Begriff und dem Englischen „my“ für „mein“. Organisiert wird es vom MyFest e.V.

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