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MYFEST UND DEMOS IN KREUZBERG Berlin feiert friedlichsten 1. Mai seit Jahrzehnten,

Rund 45.000 Besucher feiern das Kreuzberger Myfest in Berlin.

Nach einem weitgehend friedlichen Maifeiertag ist es in Berlin auch in der Nacht zum Samstag ruhig geblieben. Tausende Menschen feierten bis tief in die Nacht friedlich und ausgelassen auf dem „Myfest“ in Kreuzberg.

Berlin hat nach den offiziellen Zahlen den friedlichsten 1. Mai seit Jahrzehnten erlebt. Bei den beiden abendlichen Demonstrationen rund um den Feiertag wurden insgesamt 41 Polizisten leicht verletzt, 39 davon am 1. Mai, zwei in der Walpurgisnacht. Das sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) am Samstag. 53 Menschen wurden von der Polizei an den beiden Tagen festgenommen; 45 am 1. Mai und acht in der Walpurgisnacht.

„Das war zahlenmäßig der friedlichste 1. Mai, den es seit Beginn der Ausschreitungen 1987 gegeben hat“, sagte der Innensenator. Auch Polizeipräsident Klaus Kandt betonte: „Die Anzahl der verletzten Polizisten ist die niedrigste Zahl seit über 20 Jahren.“
6554 Polizisten waren den Angaben zufolge am Freitag im Einsatz. An der sogenannten Revolutionären 1. Mai-Demonstration nahmen nach Polizeiangaben 18.000 Menschen teil. Das waren etwas weniger als im vergangenen Jahr. Unter ihnen waren 600 gewaltbereite Linksautonome. Bei der revolutionären 1. Mai-Demonstration war es am Freitag zu kleineren Zwischenfällen gekommen.

Eingeschlagene Scheiben, Flaschen-, Stein- und Farbbeutelwürfe, beschädigte Autos, brennende Fackeln im früheren C&A-Kaufhaus an der Karl-Marx-Straße in Neukölln – und doch blieb es wie im Vorjahr insgesamt weitgehend friedlich: Zur revolutionären 1.-Mai-Demonstration waren deutlich weniger Teilnehmer gekommen als ursprünglich erwartet.

Während des Zuges hatte es nicht wie angekündigt eine Hausbesetzung gegeben. Dass der Angriff auf das frühere Kaufhaus der Auftakt zu einer Besetzung sein sollte, bestätigte sich nicht. Außerdem war es der Polizei gelungen, die an der Demo-Route gelegene, von Flüchtlingen bewohnte Gerhart-Hauptmann-Schule abzusperren. Kein Demonstrant gelangte hinein, auch hier gab es keine neue Besetzung.

Vermummte wollten aufs Myfest gelangen

Am Lausitzer Platz in Kreuzberg, dem Endpunkt des Zuges, harrten bis nach offiziellem Demo-Ende Tausende aus. Die Polizei begann nach und nach, mutmaßliche Straftäter aus der Menge zu ziehen, die sie während des Zuges beobachtet und später identifiziert hatte.

Aus der Menge flogen Bengalo-Fackeln, Steine und Flaschen auf die Polizisten. Brenzlig wurde es, als Vermummte versuchten, aufs Myfest zu gelangen – doch die Polizei, die mit ihren Fahrzeugen die Eisenbahnstraße blockiert hatte, verhinderte dies. Dabei gab es Rangeleien und Festnahmen. Erst am späteren Abend begann sich die Menge zu zerstreuen. Bis in die Nacht fuhr die Polizei im Bezirk Streife, immer wieder kam es zu kleineren Scharmützeln mit Randalierern.

Zuvor hatte viel Sonne den Tag zu einem echten Feier-Tag gemacht. Kein Wunder, dass viele Berliner und Touristen zum Myfest an der Oranienstraße und die benachbarten Straßen strömten. Dort zogen schon mittags Qualmschwaden von den vielen Grills durch den Kiez. Und überall war Musik zu hören – Rap, Punk, Elektro, vor allem aber passend zur Stimmung entspannte Reggae-Musik.

45.000 Besucher auf dem Myfest

Bis zum Nachmittag zählte die Polizei 45.000 Besucher, die ersten Eingänge etwa an der Mariannenstraße mussten kurz vor 15 Uhr gesperrt werden. Wenig später schloss die BVG auf polizeiliche Anordnung auch die U-Bahnhöfe Kottbusser Tor und Görlitzer Bahnhof vorübergehend wegen Überfüllung.

Auf dem Myfest herrschte gute Stimmung. Viele Anwohner vorwiegend türkischer Herkunft grillten Lammhack, stellten Salate bereit oder boten Süßspeisen und unerlaubterweise Dosenbier an, die Dose gerne für 2 Euro. Besonders Findige stellten Leitern auf, die sie für einen Aufstieg für einen Euro vermieten. Von oben ließ sich das Geschehen auf einer der 20 Bühnen genauer beobachten.

Einen Auftritt auf der Bühne am Oranienplatz hatte Dragqueen Anita Drink mit ihrer Band Eat Lipstick. In rotem Kleid und mit toupiertem Haar machte sie vorher noch ein bisschen Show auf der Oranienstraße, stolzierte auf und ab, ließ sich dabei filmen.

Weiter hinten, am Mariannenplatz und vor dem Bethanien, war das Myfest nicht nur Partymeile, sondern auch politisch. Hier forderten Palästinenser Freiheit für Palästina, türkische Sozialisten forderten Arbeiterrechte ein, und auch die Linke hatte einen große Stand.

Podemos-Partei verteilt Sangria

Erstmals dabei war die in Spanien neu entstandene Partei Podemos (auf Deutsch: Wir können), die sich gegen Korruption und Parteienfilz starkmacht. Dass am Stand von Podemos nicht nur Paella, sondern auch alkoholhaltige Sangria ausgegeben wurde, rief jedoch die Myfest-Ordner auf den Plan.

Denn Alkoholausschank war in diesem Bereich nicht erwünscht. Schluss war’s mit Sangria, die Spanier wunderte es. Am Nachmittag schloss dann auch die Polizei Spätverkaufsstellen, deren Betreiber gegen die Auflage verstießen, keine Glasflaschen und Dosen zu verkaufen. Dies war wie in den Vorjahren nicht erlaubt.

Am frühen Nachmittag hatte es in Lichtenberg und Marzahn Demonstrationen mit mehreren Hundert Teilnehmern gegen zwei NPD-Kundgebungen gegeben. Sie blieben bis auf eine Sitzblockade abseits der NPD-Route friedlich.

Schon die Walpurgisnacht war am Donnerstag mit knapp 3000 Demonstranten weitgehend friedlich verlaufen. Danach hatte Polizeipräsident Klaus Kandt gesagt: „Ich erwarte für den 1. Mai eine zahlenmäßig starke Veranstaltung, die aber in der Masse friedlich bleiben wird.“

Kundgebung des DGB

Auf der traditionellen Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hat der Vorsitzende, Reiner Hoffmann, die Einhaltung des Mindestlohns in allen Branchen gefordert. „Wir werden eine Aushöhlung des Mindestlohns nicht zulassen“, sagte er. Mit dem Mindestlohn von 8,50 Euro sei ein historischer Erfolg errungen worden. Bundesweit haben sich laut DGB etwa 400.000 Menschen an den mehr als 470 Veranstaltungen zum Tag der Arbeit beteiligt.

Von MARTIN KLESMANN, ELMAR SCHÜTZE, ANDREAS KOPIETZ, LUTZ SCHNEDELBACH & STEFAN STRAUSS

Quelle: http://mobil.berliner-zeitung.de/berlin/myfest-und-demos-in-kreuzberg-berlin-feiert-friedlichsten-1--mai-seit-jahrzehnten,23785272,30577834.html

 

 

Letzte Änderung amDienstag, 05 Mai 2015 12:51

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Heraus zum 15. MyFest

Das MyFest ist das seit 2003 jährlich am 1. Mai (Tag der Arbeit, Maifeiertag bzw. Kampftag der Arbeiterbewegung) stattfindende Kundgebung in Berlin-Kreuzberg, das sich an alle richtet und ein großes Angebot bietet. Der Name wird wie „Maifest“ ausgesprochen und ist ein Kunstwort aus diesem Begriff und dem Englischen „my“ für „mein“. Organisiert wird es vom MyFest e.V.

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