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Vor 25 Jahren brannte Bolle, Berlins hässlichstes Jubiläum, Berliner Kurier, 18.04.2012

Brennende Barrikaden, geplünderte Geschäfte, ein halber Kiez in Schutt und Asche. Am Rande eines Straßenfestes eskalierte die Gewalt in Kreuzberg am 1. Mai 1987 dermaßen, dass sogar Vergleiche zu den blutigen Straßenschlachten in Belfast gezogen wurden.

In knapp zwei Wochen jährt sich dieser traurige Tag zum 25. Mal, Polizei ist in Alarmbereitschaft.

Der Kreuzberger Kiez-Krawall: Am 1. Mai ist er exakt 25 Jahre her. Seitdem steht der Tag in Berlin-Kreuzberg „für eine radikale Ablehnung der herrschenden Zustände und eine konfrontative Kritik an der Staatsgewalt“, heißt es in einem im Internet verbreiteten Aufruf. Doch was von den Urhebern verniedlichend „Kreuzberger Kiezaufstand“ genannt wird, war in Wahrheit ein unglaublich brutaler Gewaltexzess, an den viele Berliner noch heute mit Schrecken denken. An diesem Tag durchsuchte die Berliner Polizei das Büro der „Kampagne zum Boykott der Volkszählung“ im Kreuzberger Mehring-Hof, beschlagnahmte etliche Unterlagen der Volkszählungs-Gegner.

Gegen 16 Uhr kippten Autonome am Rande eines linken Straßenfests am Lausitzer Platz als Reaktion auf die Durchsuchung ein Polizeifahrzeug um – Startschuss für die Chaoten, einen ganzen Kiez auseinanderzunehmen. Als die Polizei das Fest auflösen wollte, bauten Hunderte Krawallbrüder Barrikaden aus Bauwagen und allerlei Gerümpel, setzten diese in Brand, bewarfen Polizisten mit Steinen, Flaschen und verschossen mit Zwillen sogar Stahlkugeln. Die Polizei, überrascht von der Heftigkeit der Ausschreitungen, zog sich nach stundenlangen Straßenschlachten gegen 23 Uhr schließlich zurück und überließ Kreuzberg dem wütenden Mob.
„Randale für nen juten Zweck“ steht auf diesem Flyer, mit dem in der autonomen Szene zu Ausschreitungen am diesjährigen 1. Mai aufgerufen wird. Die Polizei befürchtet - anders als in den letzten Jahren - schwere Krawalle.
„Randale für nen juten Zweck“ steht auf diesem Flyer, mit dem in der autonomen Szene zu Ausschreitungen am diesjährigen 1. Mai aufgerufen wird. Die Polizei befürchtet - anders als in den letzten Jahren - schwere Krawalle.
Foto: zVg

Über dreißig Geschäfte wurden geplündert, darunter auch eine Filiale der Supermarktkette Bolle am Görlitzer Bahnhof. Anschließend wurde das Gebäude in Brand gesetzt, brannte komplett nieder und stürzte schließlich ein. Auch der U-Bahnhof am Görlitzer Park wurde so schwer beschädigt, dass er für Reparaturarbeiten wochenlang gesperrt werden musste. Erst am frühen Morgen beruhigte sich die Lage allmählich, die Aufräumarbeiten in Kreuzberg dauerten mehrere Tage.

Sicherheitsexperten befürchten jetzt, 25 Jahre nach den Straßenschlachten, Krawalle gleich an vier Tagen! Denn: Nach dem Wochenende am 28. und 29. April folgt ein schul- und für viele arbeitsfreier Montag und dann der erste 1. Mai. So könnten Krawall-Touristen aus anderen Bundesländern extra anreisen.

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